KE–Künstliche Emotion - Soziologie mit Kafka

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KE – Künstliche Emotion

Die Partnerschaft vom Menschen mit seinem PC, seinem Haushaltsroboter und weiteren technischen Partnern wird in Zukunft laufend entwickelt und heiß diskutiert. Die Optionen sind (für manche allzu) interessant und gefährlich. Radikale Utopien hat Kafka warnend mit allen Konsequenzen beschrieben. Der Kafkaesk geschulte Blick kann helfen, Entfremdungen vermeiden, indem er von den Konsequenzen weiter entwickelter Technik ausgeht und zugleich die menschlichen Bedürfnisse als entscheidend einbringt.

Ein Bericht vom Zeitmaschinennavigator kennzeichnet Entwicklungen:
KI, die künstliche Intelligenz eines Industrieroboters soll so vernünftig wie möglich wirken. KE, künstliche Emotion eines Haushaltsroboters oder modernen „elektronischen Partners" des Menschen" ist die nächste Stufe nach den Computer-Spielen. Der KE-Roboter soll so natürlich, spielerisch, spontan sein, vor allem so gut auf den menschlichen Partner eingehen, wie möglich. Es sollen weitgehend echte Beziehungskisten aufgebaut werden, tolerant, aber behutsam, weil der Mensch sowieso schon überfordert ist. Allerdings, wenn der Mensch sich schlecht benimmt, soll er Ärger bekommen, um ihn nicht in die Irre beim Umgang mit Menschen zu führen.  

Die Fähigkeiten des mit KE ausgestatteten Haushaltsroboters als Erzieher werden geschätzt, sie sind kostengünstig. Im Zuge des Fortschrittes werden ihm geradezu besondere Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit bis hin zu erotischen Künsten attestiert, er wird vom Jugendamt immer öfter als Bezugsperson zugelassen. Dennoch, soweit der KE-Roboter in seinen Kontakten nicht von einsatzbereiten Menschen begleitet und ergänzt wird, gilt er als umstritten. Einerseits kann er als Betreuer in seinen Zöglingen zuweilen den Autismus effektiver vermeiden, als ein menschlicher Erzieher. Andererseits bleibt im Erwachsenenalter eine gewisse Fixiertheit der Zöglinge auf seinen KE-Roboter bestehen und wird von Kritikern als „leichter Autismus" bezeichnet, der bereits weit verbreitet sei.

Immer wieder hat es Kritik geben, indem etwa gesagt wurde, der Haus-Roboter sei doch künstlich, unnatürlich, schematisch, programmiert, ohne Spontaneität. Das wird teils als eine typisch menschliche Dramatisierung gesehen, denn der verunsicherte Mensch sei in unserer verbissen modernen Welt selbst entfremdet, beklemmt, verklemmt, kaum noch spontan, außer vielleicht wenn er streitsüchtig ist. Dabei können Kritiken sogleich als brauchbare Hinweise für den Programmierer der Roboter verwendet werden, eine qualitativ immer bessere KE einzubauen, die vor allem selbst emotional lernfähig ist.
Die moderne Technik soll effektiv sein, dabei nicht unnatürlich wirken. Das ist immer eine risikoreiche Gratwanderung. Der emotionale Roboter soll einfühlsam sein (wie im Therapieprogram ELIZA von Joe Weizenbaum), er soll wohlwollend sein, er soll individuell beziehungsfähig und lernfähig sein, hingegen keinesfalls un-individuell, langweilig, voraussehbar. Optimal wäre er so eine Art des Teufels Ideen vom eigenen Schutzengel moderiert. Der Lebendigkeitsneid kann eine treibende Kraft sein, solange er nicht dramatisiert wird. In der utopischen Gesellschaft soll der Roboter keineswegs allzu "vernünftig" wirken im Sinne von cool, un-emotional - vielmehr soll ihn sein Lebendigkeitsneid kreativ beschäftigen und ihn sensibel machen.
Der oft ideologische Streit pro und kontra Technik ist nicht auflösbar. Kafka war stark für unfallsichere, soziale Technik engagiert. Mit Kafka wird deutlich, wo die Entwicklung ins Kafkaeske ausufert.  

 
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