Wirkungstäter - Soziologie mit Kafka

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Wirkungstäter

Die wirksamsten Täter, welche die umfassendsten Schäden anrichten, bleiben absurd unbemerkt. Dem kafkaesk geschulten Blick entgehen sie jedoch nicht. Sie selbst sind nicht diejenigen, welche die hochwirksamen Taten bzw. Unterlassungen unmittelbar selbst begehen. Mit ihren Gesinnungen und Parolen zur Unterstützung von politischen und finanztaktischen Investitionen, Waffenexporten, Drogenhandel, Großprojekten usw. verursachen sie enorme Schäden in der globalen Gesellschaft. Sie tragen zur chemischen und geistigen Vergiftung und Polarisierung bei. Es geschieht mit fahrlässiger Absicht und vollautomatischer Unschuldsmiene.

Politisches Kennzeichen ist, ganz ungerührt die eigenen Taten, deren Folgen, überhaupt die ganze Verantwortung instinktiv zu leugnen. Was sie tun, ist zumeist aus irgendeinem Zweck heraus „begründbar", in der Summe der Auswirkungen aber verheerend. Ihr genüssliches Suchtverhalten schließt die Lobby mit ein.
Verursacht ein Politiker Schäden in Höhe von Milliarden Euro, oft bei Großprojekten und oft erst später mal, so wird er kaum bemerkt. Ihn kann sowieso kaum jemals eine dem Schaden angemessene Strafe erwarten. Instinktiv vermeidet er zumeist geschickt, was als „vorsätzlich" interpretiert werden könnte. Ganz anders ergeht es einer 15-Jährigen, die bei Woolworth (vorsätzlich!) einen Plastik-Kamm für einen Euro klaut. Bei Politiker Klaus-Rüdiger Landowsky, der als Vorstandsmitglied der Landesbank Berlin gegenüber seiner Stadt mehrere Milliarden Schaden zu verantworten hätte, wurde gedeutet: Er habe im Gesetzesrahmen nicht vorsätzlich und auch nicht wider besseres Wissen gehandelt (das ergäbe eine Verurteilung), allenfalls fahrlässig (das darf er).

Damit wurde ein längst etabliertes Gewohnheitsrecht auf folgenreiche, jedoch als fahrlässig interpretierbare Aktionen, noch weiter verfestigt. Folgerichtig sind auch sonst Verantwortliche in Banken, Senat, Finanzamt, Rechnungshof allesamt gewohnheitsrechtlich frei. Abzocke steht fast täglich in den Zeitungen, im Grunde weil es ein falsches Gewohnheitsrecht ist.
Manche Politiker fühlen sich als edel und bescheiden. Wer als Politiker amtlich hohe Gewinngarantien an Profiteure vergibt, der verschenkt zig Millionen Euro und kassiert dafür vielleicht ein paar tausend Euro für die Parteikasse. Er schämt sich nicht: Er kennt und verteidigt ganz ungeniert sein Gewohnheitsrecht! Bis wir ihm, öffentlich, genüsslich staatstragisch, das Bundesverflixtkreuz verleihen ...

Weitere Beispiele: Schauen wir mit dem Kyoto Protokoll auf drohende ökologische Schäden. Sie werden nicht verhindert. Der Bau des Berliner Großflughafens ist von daher genau die falsche Maßnahme. Aber da wird kein Gericht jemals die politischen Wirkungstäter verklagen, und zwar weder vor, noch in, noch nach der zugehörigen Klimakatastrophe – denn sobald sie eingetreten ist, gibt es zu viele Verursacher, die allesamt durch das Gewohnheitsrecht geschützt werden. Politiker und Lobbyist Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, hat keinerlei Bestrafung für seinen unverhüllten Beitrag zur Umweltverschmutzung zu befürchten, er „strahlte wie ein Satz polierter Chromfelgen in der Wintersonne" , als er den leicht verringerten CO 2 Ausstoß deutscher Pkw erwähnte – während die Anzahl der verkauften Autos nachhaltig steigt und die schweren deutschen Autos keineswegs vorbildlich sind. Verkehrsminister Peter Ramsauer meinte, der Güterverkehr werde bis 2025 um 80 Prozent steigen, der Transitverkehr sogar um 150 Prozent – trotzdem will er dies erleichtern, nicht verhindern.
Bundesverflixtnochmal! Wir haben mehr als genug lohnende Kandidaten.  

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü